kukma.net, Dez. 2011
Adventskonzert des Magdeburger Konservatoriums
von Hans-Peter Lippert
Uraufführung beim Adventskonzert des Magdeburger Konservatoriums: Sieben Schüler der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt haben eine „Weihnachtsgeschichte“ komponiert. Gemeinsam mit großen Chor erklang das Ergebnis eines vielversprechenden, deutschlandweit einzigartigen musikalischen Projektes
Es ist seit vielen Jahren zu einer schönen Tradition geworden, dass das Jugendsinfonieorchester und das Große Streichorchester des Konservatoriums im Advent gemeinsam ein Konzert gestalten. Die Konzerthalle Georg Philipp Telemann im Kloster Unser Lieben Frauen ist dazu an diesem Montagabend gut gefüllt – mit vielen jungen Musikerinnen und Musikern, Chorsängerinnen und Chorsängern und deren Anhängerschar. Das ist eigentlich kein Wunder, stehen doch heute speziell die vielen jungen Akteure der beiden Orchester und der Komponistenklasse im Mittelpunkt des Abends und weniger die Zuhörer. Die sollten aber dennoch auf ihre Kosten kommen. [...]
Sieben Schüler (Ina Böckelmann, Enrico Gerstmann, Johannes Hauffe, Viola Hauffe, Gregor König, Elias Projahn und Johann Friedrich Röpke) der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt haben gemeinschaftlich eine „Weihnachtsgeschichte“ komponiert. Die verschiedenen Komponistinnen und Komponisten im Alter von 11 bis 16 Jahren, haben mit vielfältigen Klängen unverwechselbare eigene „Noten“ beigesteuert. Dazu wurde im Sommerferienkurs 2011 intensiv gearbeitet, wurde eine gemeinsame modale Tonalität mit vier verschiedenen tonalen Zentren entwickelt, die sowohl melodisch als auch harmonisch ausgebildet wurde. Außerdem wurde die Gemeinschaftskomposition dem JSO des Konservatoriums und den Chören förmlich auf den Leib geschrieben. Die Kursdozenten des Sommers (Annette Schlünz, Thomas Buchholz, Thomas Krüger, Reiko Füting) und natürlich Bernhard Schneyer als Leiter der Komponistenklasse standen den jungen Tonkünstlern zur Seite. Nach dem ersten Hören dieser „Weihnachtsgeschichte“, die sich ganz klassisch am bekannten neutestamentarischen Text nach Lukas orientiert und auch das Schema bekannter Weihnachtsoratorien (dem Wechsel von Chor und Rezitativen) beibehält, scheint das Projekt gelungen. Gemeinsam mit großem Chor aus Magdeburger Singakademie (Einstudierung: Martin Wagner) und Neuem Magdeburger Kammerchor (Einstudierung: Christian Hoffmann) sowie der ausgezeichneten Sopranistin Grit Wagner erklang ein wirklich einzigartiges Werk.
Bei aller Modernität und Vielfalt (eigene Handschriften sind schon zu erkennen) der Kompositionen ist es gelungen, ein homogenes anhörenswertes Werk zu schaffen. Chöre und Orchester klangen sehr gut einstudiert. Die Zuhörer der Uraufführung (die am heutigen Dienstag wiederholt wird) waren jedenfalls sehr angerührt und spendeten langen Applaus.

Bernhard Schneyer leitet das Jugendsinfonieorchester des Magdeburger Konservatoriums

Magdeburger Singakademie, Neuer Magdeburger Kammerchor und Jugendsinfonieorchester im Kloster "Unser Lieben Frauen"
Magdeburger Volksstimme, 22.11.2010

Mitteldeutsche Zeitung, 8.11.2010
Dessau-Roßlau
Aus dem Wald durch das Wasser in die Stadt
VON FRANZ WERFEL

Ehrensache: Die jungen Komponisten danken den Musikern. (FOTO: ORTMANN)
DESSAU/MZ. Ein buntes Programm erwartete den Zuhörer beim "Junge Komponisten"-Konzert am Sonnabend in der Bauhausaula. Die Bandbreite der Themen, denen sich Komponistenschüler aus Halle und Magdeburg widmeten, reichte von Naturvertonungen ("Vogelstreit im Wald") und Stadtbesuchen ("Ein Nachmittag in Halle") über einen "Traum" bis hin zu "Vermisst" oder einer "Unterhaltung". 15 Uraufführungen, humorvoll und konzentriert gespielt von der Sinfonietta Dresden im Dirigat von Milko Kersten. Kersten war es auch, der den Nachmittag hintersinnig mit "hier können Sie heute die jüngste zeitgenössische Musik erleben" einleitete. Die jüngsten Tonsetzer waren tatsächlich erst acht Jahre alt.
Es ist beeindruckend, wie viel musikalisches Gespür und Verstehen die Kinder an den Tag legen. Denn das Verstehen der Instrumente, ihrer Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten muss als erster Schritt allen weiteren, wie der gekonnten Mittelverwendung in den Stücken, vorangehen.
"In den Ferienkursen schaffen wir schon sehr viel Vermittlung", erzählt Bernhard Schneyer, der Leiter der Magdeburger Klasse. Darauf könne dann in den Unterrichtsstunden aufgebaut werden. Dabei sei es faszinierend, wie die Kinder plötzlich anfingen, auch in Gruppen zu komponieren oder sich in jeder freien Minute angeregt über ihre im Kopf entstehenden Musiken unterhielten. Doch wie viel Lehrer steckt dann in den Stücken? "Wir wollen unseren Schülern große Freiräume lassen. Nur ab und zu unterbreiten wir Vorschläge, ob nicht ein anderes musikalisches Mittel passender wäre. Letzten Endes entscheiden die Schüler aber selbst", so Schneyer.
Einige Kompositionen sollen exemplarisch hervorgehoben werden. Ada-Filine Zeh (10) ist mit "Das Wasser und die Spiegelung" ein Beispiel dafür, wie die jungen Künstler in der Natur Wahrgenommenes auf Notenpapier bringen. Sie untergliedert ihre kleine Filmmusik in Abschnitte wie "Wellen", "Fische" oder "kleine und große Schiffe". Ihre Assoziationen (Wellenrauschen, glucksende Fische oder die laute, tiefe Schiffshupe) finden sich dann in deutlichen Klangfarben in der Musik wieder.
Ihr zwölfjähriger Bruder Carl-Frederik Zeh experimentiert in seinem "Kreativen Lesen" mit einer anderen Notationsmethode. Anstelle von Takten und Zählweisen finden sich bei ihm nur Sekundenangaben. Die Musiker müssen überlegen, wie sie ihre Töne innerhalb einer Sekunde platzieren. Hier findet sich nichts weniger als die Vorstufe zu einem Klangcluster, bei dem das Wesentliche der musikalischen Kunst, ihre Artikulation im Raum nämlich, aufgehoben oder zumindest variiert wird.
Ina Böckelmann, mit 15 Jahren die älteste Magdeburger Schülerin, gelingt mit ihrem Werk "Vermisst" die psychologische Ausdeutung von existentieller Angst. Schrill und beklemmend stellt sich die Bedrohung dar, das Leitmotiv wandert konsequent durch die einzelnen Stimmen.
Immer bedanken sich die Nachwuchskünstler ganz selbstbewusst und selbstverständlich per Handschlag bei "ihren" Musikern. Dass neue Komponisten auch gehört werden können, ist lobenswert und in diesem Fall das Verdienst des "Impuls"-Festivals, das die Hallenser (Leitung: Karoline Schulz) und Magdeburger Komponistenklassen zusammenbrachte.
Warum es dabei dem Bauhaus als Austragungsort des Konzertes aber nicht gelang, wenigstens für die 90 Minuten eines Konzerts seine Besuchergruppen ohne laute und somit das Konzert beeinträchtigende Geräusche zu leiten, sollte zumindest einmal angefragt werden.
Harzer Volksstimme, 26.05.2009
